Das Erbe des „Boss“: Ein Nachruf auf Ross Friedman

Mit Ross Friedman verliert die Musikwelt einen ihrer profiliertesten Grenzgänger zwischen Punk-Attitüde und Heavy-Metal-Epik. Der Gitarrist, der unter seinem Pseudonym Ross „The Boss“ Musikgeschichte schrieb, verstarb im Alter von 72 Jahren. Er hinterlässt ein Œuvre, das die Entwicklung des harten Rock von den rasanten Anfängen im New Yorker Untergrund bis hin zur Etablierung des True Metal maßgeblich prägte. Sein Spiel war stets geprägt von einer rohen, unbändigen Energie, die technische Versiertheit mit einer tiefen Verwurzelung im Bluesrock verband.

Von der Bronx zum Punk-Pionier

Friedmans Karriere begann in der Bronx, wo er 1973 Gründungsmitglied der Dictators wurde. Die Band gilt heute als einer der wichtigsten Vorläufer des Punkrock. Mit dem Debütalbum „Go Girl Crazy!“ (1975) schufen sie eine Blaupause für einen Sound, der sich gegen den damals dominierenden Progressive Rock auflehnte. Friedman brachte eine hochenergetische Spielweise ein, die den Humor und die Straßenattitüde der Band perfekt untermauerte.

Die Geburtsstunde von Manowar

Der entscheidende Wendepunkt in Friedmans Laufbahn ereignete sich 1980 während der „Heaven and Hell“-Tour von Black Sabbath. Dort lernte er den Bassisten Joey DeMaio kennen. Aus dieser Begegnung entstand Manowar, eine Formation, die das Genre des Heavy Metal in puncto Pathos, Lautstärke und Ästhetik radikal neudefinieren sollte. Als Chef-Gitarrist prägte Friedman den Sound der ersten sechs Studioalben, darunter Meilensteine wie „Battle Hymns“ und „Kings of Metal“.

Ein Vermächtnis aus Stahl und Ehrlichkeit

Der Tod von Ross Friedman markiert das Ende einer Ära. Er war ein Musiker, der sich nie den Trends der Industrie unterwarf, sondern seinen eigenen Weg ging. Seine Bedeutung für die Musikgeschichte liegt in der Symbiose zweier Welten: Er brachte die räumliche Weite und das Pathos des Heavy Metal mit der direkten, ehrlichen Sprache des Rock ’n’ Roll zusammen. Die Lücke, die er hinterlässt, wird in der Metal-Community noch lange spürbar sein.