Neue OZ: Kommentar zu Russland / Frankreich / Depardieu

Osnabrück (ots) – Neuer Narr am Zarenhof

Was für ein schrecklich komisches Schauspiel bietet die Grande Nation der Welt wegen der unsäglichen Reichensteuer von 75 Prozent.

Frankreichs Präsident François Hollande bringt damit nicht nur viele Wohlhabende des Landes gegen sich auf, die um ihr Eigentum fürchten und ins Ausland flüchten. Er schreckt mit diesem Griff in die sozialistische Mottenkiste vor allem internationale Investoren ab.

Höhepunkt dieser Posse ist jedoch, dass Hollandes Kurzsichtigkeit dazu geführt hat, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den Imagegewinn seines Lebens erfährt. Der “lupenreine Demokrat”, wie ihn einmal ein deutscher Altkanzler leider bezeichnet hat, kann sich nun über den Neu-Bürger Gérard Depardieu freuen. Der Obelix-Darsteller mag exzentrisch sein, aber er gehört zu den wenigen französischen – Pardon – russischen Filmstars, die es zu Weltruhm gebracht haben. Jetzt findet Depardieu ausgerechnet in Moskau Schutz vor Hollandes Steuerschröpfung.

Der Kreml jubelt gar, Russland habe Europa als Insel der Stabilität abgelöst. Das ist lächerlich, aber nicht so bitter wie Depardieus Lob, das Land sei eine “große Demokratie”. In Putins Reich werden die Medien zensiert und die Opposition unterdrückt, doch das blendet Depardieu aus. Das ist beschämend für einen Schauspieler, der mehr könnte, als am Hof des Zaren den Narren zu spielen.

Michael Clasen

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