Montag, 16.4., 12.00 Uhr: "Punkt 12"-Moderatorin Katja Burkard traf zwei Überlebende des Attentats von Utøya und ihren deutschen Retter. Spezial zum Prozessauftakt in Oslo

Köln (ots) – Am Montag beginnt in Oslo der Prozess gegen den Norweger Anders Behring Breivik, der am 22. Juli zunächst in Oslo eine Autobombe zur Explosion brachte (8 Tote) und anschließend auf der Insel Utøya 69 Menschen erschoss. „Punkt 12“-Moderatorin Katja Burkard ist aus diesem Anlass noch einmal nach Norwegen gefahren, um dort Stian Johansen (16) und Tobias Tokle Sorstad (16), zwei Überlebende des Massakers, und ihren Retter, den Deutschen Marcel Gleffe, zu treffen. Der ehemalige Soldat war während des Attentats auf der Insel Utøya mehrmals mit seinem Angelboot auf den Binnensee Tyrifjord in Richtung Insel gefahren. Bei dieser Rettungsaktion konnte er mindestens 20 Jugendliche aufnehmen, die sich in Todesangst ins Wasser geflüchtet hatten. Katja Burkard fuhr mit Stian, Tobias und ihrem Retter Marcel in dessen Angelboot auch noch einmal auf die Insel Utøya und sprach mit ihnen über ihre Erwartungen an den Prozess und darüber, wie sie das Trauma des Attentats verarbeiten. Dazu traf sie auch die Mütter der beiden Jugendlichen. Die aufwühlende Begegnung zeigt Katja Burkard am Montag ab 13.45 Uhr in einem 15-minütigen Spezial im Rahmen des RTL Mittagsjournals „Punkt 12“.

Auszüge aus den Interviews (bei Verwendung Quellen- und Sendehinweis RTL Mittagsjournal „Punkt 12“, Montag ab 13.45 Uhr, beachten:

Warum möchtet ihr den Prozess in Oslo verfolgen? Tobias: „Das letzte Mal, als ich ihn (Anm.: Breivik) mit meinen eigenen Augen gesehen habe, war er bewaffnet, er war gefährlich, wir hatten Angst vor ihm. Aber beim Prozess wird er in Handschellen sein, er kann uns nichts tun. Es wird eine gute Sache sein, ihn in einer anderen Situation zu erleben und zu wissen, dass er eingesperrt ist.“

Wie fühlt es sich an, wenn ihr an den Prozess denkt? Stian: „Ich hab gemischte Gefühle, ich bin ein bisschen nervös, ein bisschen aufregt.“

Tobias: „Es ist seit dem Sommer ein Kapitel meines Lebens. Und wenn wir ihn dann schließlich in so einer anderen Situation sehen, konnte das dieses Kapitel abschließen, wenn wir sicher wissen, dass er im Gefängnis ist, ist das ein Signal, alles andere hinter sich zu lassen.“

Was wäre eine gerechte Strafe für Breivik? Stian: „Ich hoffe, er kriegt 21 Jahre Isolationshaft.“ Tobias: „Ich glaube nicht, dass er unzurechnungsfähig ist. Ich finde, er sollte eine Gefängnisstrafe bekommen. Zumindest sollten sie noch mal seinen Geisteszustand untersuchen, denn ich hatte gern, dass sie ihn ins Gefängnis stecken.“

Warum? Tobias: „Weil ich glaube, dass eine Psychiatrie zu mild für ihn ist. Dort kann man ja fast machen, was man will. Es ist nicht wie im Gefängnis, es ist kein schlimmer Ort. Wenn er so etwas getan hat, gehört er hinter Gitter, von anderen Menschen isoliert.“

Denkt Ihr oft über ihn nach? Stian: „Ich denke wirklich nicht oft an ihn. Ich versuche, ihn zu ignorieren, er interessiert mich nicht. Er soll einfach eingesperrt werden und jeder sollte ihn vergessen.“

Wo wart ihr, als ihr die ersten Schüsse hörtet? Tobias: „Wir waren in der Cafeteria der Insel und versuchten, im Internet etwas mehr herauszufinden, weil wir gerade von dem Bombenanschlag in Oslo erfahren hatten. Und dann sahen wir durch’s Fenster draußen Leute an uns vorbeirennen. Und dann haben wir noch mal rausgeguckt und sahen ihn (Anm.: Breivik) den Weg runtergehen. Bis dahin hatten wir aber noch keine Schusse gehört. Und dann kam ein Madchen oder ein Junge auf ihn zu und er nahm seine Pistole hoch und hat die Person erschossen. Da haben wir dann zum ersten Mal Schusse gehort und gesehen und sind losgerannt.“

Wann habt ihr euch entschieden zu schwimmen? Tobias: „Viele andere vor uns waren schon ins Wasser gesprungen, wir waren da, wo wir uns versteckten, fast die Letzten. Und als die Schusse dann immer naher und naher kamen, haben wir uns dazu entschlossen, auch loszuschwimmen.“ Stian: „Ich hatte echt Angst, ich bin kein allzu guter Schwimmer. Aber trotzdem war ich es, der zuerst sagte „Komm, lass uns los!“. Trotzdem gut, dass wir erst so spät losgeschwommen sind, sonst hatten wir viel zu lange auf eines der Boote warten müssen und waren vielleicht ertrunken.“

Wie habt ihr reagiert, als ihr Marcel mit seinem Boot gesehen habt? Tobias: „Wir fingen an zu rufen und zu winken, aber das war nicht so leicht, weil wir uns gegenseitig über Wasser hielten. Und jedes Mal, wenn wir winkten, rutschten wir ab und rein ins Wasser. Dann mussten wir wieder hoch und um Hilfe rufen. Das hat mir große Angst gemacht.“

Was bedeutet Euch Marcel Gleffe? Stian: „Er hat mein Leben gerettet!“ Tobias: „Es ist unmöglich, jemals jemanden zu vergessen, der dir das Leben gerettet hat. Ich werde ihm ewig dankbar sein für das, was er getan hat. “

Wie oft denkt ihr noch an Utøya? Tobias: „Es fühlt sich an, als ob ich das Kapitel abschließen kann. Ich warte jetzt noch auf den Prozess und geh dann weiter meinen Weg. Die Normalität ist wieder eingekehrt, in der Schule lauft es gut und ich denke auch nicht viel darüber nach, es sei denn, in den Nachrichten oder so kommt was darüber.“

Warum habt ihr das alles so gut verkraftet? Tobias: „Ich glaube, weil Stian und ich zusammen auf der Insel waren und fast exakt das gleiche mitgemacht und gesehen haben. Es hat geholfen, mit ihm darüber zu reden. Also zumindest mir hat es geholfen, jemanden zu haben, der mich versteht, der weis, wovon ich rede.“

Fotos können im RTL-Pressezentrum unter http://kommunikation.rtl.de heruntergeladen werden.

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