acatech POSITION: Ein generelles Fracking-Verbot lässt sich wissenschaftlich nicht begründen

acatech POSITION: Ein generelles Fracking-Verbot lässt sich wissenschaftlich nicht begründen

(Mynewsdesk) Ein generelles Verbot des Hydraulic Fracturing lässt sich auf Basis wissenschaftlicher und technischer Fakten nicht begründen. Zu diesem Fazit kommt acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften in der heute veröffentlichten POSITION über Anwendungsmöglichkeiten, wirtschaftliche Perspektiven und potentielle Umweltrisiken der umgangssprachlich Fracking genannten Technologie. Die Erschließung von Gas oder Erdwärme durch Fracking sollte jedoch strengen Sicherheitsstandards folgen. Die Akademie legt deshalb einen Katalog von Best-Practice-Maßnahmen vor, die ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleisten. Die POSITION wird am 9. Juni 2015 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt.

Durch Hydraulic Fracturing können zusätzliche Energiequellen erschlossen werden. Die heimische Erdgasförderung könnte mit der Gewinnung von Schiefergas über Jahrzehnte auf derzeitigem Niveau fortgesetzt werden und so eine Brückenfunktion für die Energiewende übernehmen. Darüber hinaus bietet sich Erdwärme im tiefen Untergrund, die sogenannte petrothermale Geothermie, zur Wärme- und Stromgewinnung als grundlastfähige, klimaneutrale Energieform mit einem sehr kleinen ökologischen Fußabdruck als Baustein der Energiewende an. Dem stehen mögliche Umweltrisiken gegenüber: Diskutiert wird insbesondere über mögliche Verunreinigungen des Grundwassers durch Schadstoffeinträge zum Beispiel aus den Frack-Flüssigkeiten oder dem Lagerstättenwasser, über den Wasserverbrauch und Landbedarf sowie über frack-induzierte Mikroerdbeben.

„Angesichts der verhärteten Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern des Hydraulic Fracturing möchten wir die Diskussion mit einer wissenschafts- und technikbasierten Abwägung unterstützen“, sagte acatech Präsident Reinhard F. Hüttl. „Unsere Kernfragen an die Projektgruppe waren, welche Chancen und Risiken das Hydraulic Fracturing in Deutschland mit sich bringt und wie ein sicherer Einsatz der Technologie aussehen könnte.“

Eine interdisziplinäre Projektgruppe trug den wissenschaftlichen Kenntnisstand mit Blick auf den möglichen Einsatz in Deutschland zusammen. Projektleiter und acatech Mitglied Rolf Emmermann betont: „Auch wenn sich Bilder von lodernden Feuerbällen aus dem Wasserhahn als irreführend erwiesen haben, bleibt eine Reihe offener Fragen, die vor dem Einsatz in Deutschland abgewogen werden müssen. Insgesamt jedoch lassen sich Beeinträchtigungen des Trinkwassers, Austritte von Methangas und induzierte Mikroerdbebentätigkeit bei einem verantwortungsvollen, sachgemäßen Einsatz der Technologie so weitgehend ausschließen, dass ein generelles Verbot wissenschaftlich nicht zu begründen ist.“

Dazu muss das Hydraulic Fracturing strengen Sicherheitsstandards folgen, rechtlich klar geregelt sein und umfassend überwacht werden. Die Akademie legt hierzu einen Katalog von Best-Practice-Maßnahmen vor, die ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleisten. Diese umfassen die gründliche Vorerkundung der Bohrlokation und darauf aufbauend eine standortbezogene Risikobewertung, um Bohrungen an ungeeigneten Stellen auszuschließen. Während des gesamten Vorhabens sollte ein kontinuierliches Monitoring das umgebende Grundwasser, den möglichen Austritt von Gasen, die seismische Aktivität und die Bohrungsintegrität überwachen, sodass mögliche Gefährdungen frühzeitig erkannt werden. Es sollten grundsätzlich keine toxischen oder umweltgefährdenden Zusätze in den Frac-Flüssigkeiten verwendet werden. Alle Zusätze sind nach Auffassung der Akademie offenzulegen, bevor sie in Deutschland zum Einsatz kommen. acatech empfiehlt weiterhin, bei einer möglichen zukünftigen Förderung von Schiefergas Flowback-Fluide direkt am Bohrplatz aufzubereiten und wiederzuverwenden, weil so der Wasserverbrauch minimiert und etwaigen Lecks beim Transport der Fluide vorgebeugt wird. Insgesamt muss die Integrität jeder Bohrung über die gesamte Laufzeit eines Projektes durch ein Well-Integrity-Management-System sichergestellt werden.

Vor dem Einsatz von Fracking sollte mit den Bürgerinnen und Bürgern in der Nachbarschaft frühzeitig durch den Vorhabenträger der Dialog gesucht und die Gemeinden in die Entscheidung über die Erteilung von Bergbauberechtigungen einbezogen werden. acatech empfiehlt dabei vor allem Offenheit: „Experten und Entscheidungsträger sollten nicht um den heißen Brei herumreden. Sie sollten Risiken und Unsicherheiten klar und ungeschönt benennen, aber auch die Chancen und die wissenschaftlich erfolgversprechenden Verfahren zur Risikominimierung“, sagte Ortwin Renn. Der Soziologe von der Universität Stuttgart ist Mitglied des acatech Präsidiums und der Projektgruppe Hydraulic Fracturing. „Scheinprobleme oder unhaltbare Vermutungen müssen entlarvt werden – unabhängig davon, ob sie für oder gegen Hydraulic Fracturing sprechen.“

www.acatech.de/fracking

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